Jugend in der Kommune - Wie erreichen wir sie?

Das diskutierten am 29. Juni rund 50 Vertreterinnen und Vertreter aus Kommunalpolitik und -verwaltung in Dingolshausen.

Bereits im März wurde in Fraunberg die Perspektive Jugendlicher in den Mittelpunkt gestellt und die Frage, wie man junge Menschen erreicht und bewegt, in ihren Heimatgemeinden zu bleiben, wurde in Dingolshausen weiter diskutiert. Lothar Zachmann, dem ersten Bürgermeister der Gemeinde, betonte in seinem Grußwort, wie wichtig für die lokale Jugendpolitik eine unabhängige und freie Beteiligung der Jugendlichen ist. Umso mehr freute er sich, dass sich anlässlich der Veranstaltung eine Gruppe junger Leute aus Dingolshausen zusammengeschlossen hat, um sich aus ihren Blickwinkeln mit der Situation in der Gemeinde auseinanderzusetzen.

Einig waren sich alle Anwesenden, dass Jugendliche ein „Standortfaktor“, insbesondere im ländlichen Raum, sind, um Kommunen lebenswert zu halten. Das betonte auch Winfried Pletzer, Referent für kommunale Jugendarbeit und Jugendarbeit in Gemeinden beim Bayerischen Jugendring in seinem Input. Er hielt ein starkes Plädoyer, untermauert von Erfahrungsberichten und Beispielen, kommunale Jugendarbeit zur Chefsache zu machen, sie strategisch anzugehen und als Standortpolitik zu verstehen.

Dr. Klaus Zeitler, Moderator der Veranstaltung, machte v.a. zwei Herausforderungen aus: „Die“ Jugendlichen gibt es nicht, es handelt sich nicht um eine homogene Zielgruppe und zum anderen ist die Jugendzeit eine begrenzte Zeitspanne von fünf bis sechs Jahren. Das bedeutet, dass Projekte kommunaler Jugendpolitik nicht über zu lange Zeiträume geplant werden dürfen und möglichst schnell umgesetzt werden müssen, damit die betroffenen Jugendlichen die Realisierung als Verbesserung ihrer Situation in Ort erfahren.

Bei allen Unterschieden in Wünschen und Vorstellungen für die Heimatgemeinde ist aber ein Bedürfnis aber allen jungen Leuten gemein: Sie wollen gehört und ernst genommen werden. Das bestätigte Sabine Niedermeier, die Ergebnisse einer Befragung von rund 3900 Jugendlichen zwischen 12 und 16 Jahren im Landkreis Neumarkt i.d.OPf vorstellte. „Jugendliche haben ein Gespür, ob sie in ihrer Heimatgemeinde wahrgenommen werden“, betonte sie. Wichtig sei, zu hinterfragen, ob es ausreichend Plattformen dafür gibt und ob diese auch angenommen werden. Vereine sind nach wie vor Kristallisationspunkte, um junge Menschen zu erreichen, aber auch der Wunsch, sich jenseits traditioneller Vereinsstrukturen zu beteiligen und zu engagieren, muss berücksichtigt werden. Hier geht es auch darum, seitens der Kommune Ermöglichungsräume zu schaffen, in denen Jugendliche

Das war auch der Tenor der Diskussion zwischen Marianne Krohnen und Stefan Rottmann. Die Bürgermeisterin der Gemeinde Geiselbach ist die dienstälteste Bürgermeisterin Deutschlands und ihr Kollege aus Schonungen ist einer der jüngsten Bürgermeister unterhielten sich über Kommunal- und Jugendpolitik „gestern, heute und morgen“ und gingen auch in den Erfahrungsaustausch mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern.

Auch Christoph Schattleitner, Journalist aus Österreich, wies auf die Bedeutung des „Zuhörens“ seitens der Entscheidungsträgerinnen und -träger hin. Er hatte in der Steiermark eine Reihe von Podiumsdiskussionen organisiert, bei der die Rollen vertauscht wurden: Auf dem Podium saßen Jugendliche, während die Vertreterinnen und Vertreter aus Kommunalpolitik und -verwaltung das Publikum waren. Dieser Perspektivenwechsel brachte allen Beteiligten neue Einsichten und Blickwinkel. Er stellte auch das online Magazin „Vice“, das sich v.a. an die Lesergruppe zwischen 18 und 35 Jahren richtet und dessen Philosophie vor und wies darauf hin, wie wichtig es sei, die Sprache und Kommunikationskanäle junger Menschen zu kennen und auch zu nutzen.

Jungen Leuten aus der Kommune zuhören war dann auch in Dingolshausen angesagt: Eine Gruppe junger Dingolshausener hat Kinder und Jugendliche gefragt, was ihnen an „ihrem“ Ort gefällt und wo sie Probleme sehen bzw. sich Veränderungen wünschen. Die Ergebnisse dieser Aktion stellten sie in einer kreativen Präsentation mit dem Titel "Bravo Dingo! – Wohn-, Arbeits- & Freizeitsituation der jungen Generation" vor. Diese Ergebnisse sollen gleichzeitig auch Ausgangspunkt für ihr weiteres Engagement für eine eigenständige und offene Jugendarbeit in der Gemeinde sein, in Zusammenarbeit mit Bürgermeister und Gemeinderat.